Wertschätzung vs. "klare Ansage"

Die WM ist vorbei, unsere vielbejubelte Mannschaft ist wieder in der Heimat gelandet. Sie wollten diesmal keine Feier mit den Fans. Zu groß ist offensichtlich die Enttäuschung, dass man eigentlich „nicht mehr“ erreicht hat als 2006 – einen dritten Platz. Das sehen jedoch viele Zuschauer anders: einhellig schreibt man der jungen Mannschaft die schönsten Spiele mit Herz und Leichtigkeit zu, Teamgeist im Sinne von flachen Hierarchien und beeindruckender Selbstmotivation. Da freuen wir uns doch schon auf mehr davon, in den nächsten Länderspielen.

Ich habe kurz daran gedacht, Montagfrüh selbst an den Flughafen zu fahren, um die Helden noch einmal live aus der Nähe begutachten zu dürfen. Aus dem TV konnte ich dann erfahren, dass die begeisterten Fans – trotz stundenlanger Wartezeit und Vorfreude – keinen Blick aus der Nähe erhaschen konnten. Umsonst die Wartezeit und Hoffnung. Ich hätte es, wie Kaiser Franz wohl angeraten hatte, gut gefunden, wenn die Jungs sich ein paar Minuten für ein Gruppenfoto zusammen gestellt hätten. Nur ein paar Minuten, ein Lächeln – und dann weg. „So erfahren sind sie dann doch noch nicht“, konnte ich mir nicht verkneifen. Es entbrannte eine heftige Diskussion in meinem Umfeld, pro und contra Wertschätzung, pro und contra „klare Ansagen machen und sich daran halten“.

Seit Jahren schon gehöre ich zu der Wertschätzung-Fraktion, es ist ein Kernthema in Kommunikations-Seminaren. Immer wieder stellen die Teilnehmer aus verschiedenen Hierarchie-Ebenen fest, wie unglaublich wichtig Wertschätzung als Grundsatz des täglichen, professionellen Miteinanders ist. Und wie wenig aufwendig es meistens ist, wenn man einen grundsätzlich positiven Fokus darauf hat: Beziehungspflege und gelegentliche Bestätigung als Selbstverständnis.

„Bravo, Kaiser Franz! Auf Wiedersehen, begeisternde, lernfähige junge National-Mannschaft!!“

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