Die größten Karrierekiller

Wer sein Verhalten nie kritisch hinterfragt, landet bei Vorgesetzten und Kollegen schnell im Abseits. Doch es gibt Wege, die schlimmsten Karrierekiller zu umschiffen.

Ein peinlicher Tippfehler in einer Kundenpräsentation, eine unbeherrschte Reaktion gegenüber dem Chef oder ein Zahlendreher in einer Kalkulation: Pannen wie diese passieren, sind aber in der Regel keine Stolpersteine für die weitere Karriere. Wer Kritik hingegen dauerhaft an sich abprallen lässt, seine eigenen Ziele nicht kennt oder Weiterbildung als vergeudete Zeit abstempelt, hat es schon schwieriger, auf der Karriereleiter nach oben zu steigen. Denn Einstellungen und Eigenschaften wie diese gehören zu den fiesesten Karrierekillern.

Kritikresistent: Keine Chance auf dem Weg nach oben

Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung des Bundes Deutscher Unternehmer (BDU) unter 500 Führungskräften aus Personalberatungs- und Outplacementfirmen. Selbstüberschätzung, Entwicklungsstillstand und Ziellosigkeit stehen diesen zufolge auf der Liste der größten Karrierefallstricke ganz oben. Aber auch, wer die Spielregeln und informellen Netzwerke seines Unternehmens nicht hinreichend auslotet, sollte sich nicht allzu große Hoffnungen auf eine Spitzenposition machen.

BDU-Vizepräsident und Personalberater Dr. Joachim Staude relativiert die Ergebnisse der Studie jedoch und warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen. Wer keinen dieser Karrierekiller auf sich vereinen kann, sitzt nicht zwingend in einigen Jahren im Chefsessel, sagt er. „Denn eine Planung der eigenen Karriere ist nur begrenzt möglich“, so Staude.

Auf die Unterstützung anderer kommt es an

Berufliches Vorankommen sei nicht ausschließlich im persönlichen Verhalten begründet, sondern nicht zuletzt von der Entscheidung und Unterstützung anderer abhängig. Auch fehlende Entwicklungsmöglichkeiten in der Firma stünden der Karriere entgegen. Stimmt, sagen Karriere-Experten. Dennoch: Wer die peinlichsten Karrierekilller gezielt vermeide, verbessere seine Aufstiegschancen erheblich.

Nicht grundlos schoss bei der BDU-Umfrage das Stichwort Selbstüberschätzung auf Platz eins der größten beruflichen Fauxpas’. Denn wer nie einen Zweifel daran lässt, was für ein toller Hecht er ist, rutscht schnell vom Mann für die gewissen Aufgaben zum gewissenhaft gemiedenen Kollegen ab.

Wenn das Wort „Fehler“ nur für andere gilt

Wer arbeitet schließlich gerne mit jemandem zusammen, in dessen Vokabular das Wort „Fehler“ nur für andere Gültigkeit besitzt? Um nicht wegen Kritikresistenz und Überheblichkeit geradewegs in die Isolationsfalle zu tappen, sollten Arbeitnehmer sich selbst in regelmäßigen Abständen hinterfragen, rät die Sozial- und Rechtswissenschaftlerin und Psychologin Annette Bücheleres. „Es kann sein, dass man von außen ganz anders wirkt, als man sich selbst wahrnimmt. Daher ist es wichtig, sich zu fragen: Wann kann ich mit Kritik umgehen und wann nicht?“

Egal, woran es liegt, dass tatsächlich manche Anmerkungen einfach an einem abprallen – für alles gibt es eine Lösung, betont Bücheleres. „Ist einem zum Beispiel ein Kollege, der immer wieder an einem herumkritelt zuwider, muss man lernen zwischen Sach- und Beziehungsebene zu trennen“, rät sie. Auf keinen Fall sollte man die Ohren auf Durchzug stellen, sobald selbiger den Mund aufmacht. Immerhin kann von dem richtigen Hinweis zur richtigen Zeit der Erfolg eines Projekts abhängen – auch wenn er von dem „Stinkstiefel“ am Schreibtisch gegenüber kommt.

Antipathien ausblenden

Für die konkrete Situation bedeutet das: Die Antipathien bestmöglich „ausblenden“ und sich bemühen, für die eigentliche Nachricht offen zu sein. Ist hingegen der Zeitpunkt ungeeignet, um Grundsätzliches zu klären, rät Bücheleres zu Stift und Zettel zu greifen. „Ich kann mir ja notieren, dass ein Kollege Gesprächsbedarf anmeldet und dann in einer ruhigen Minute wieder auf ihn zugehen.“

Ebenfalls weit oben auf der Skala der größten Karrierekiller: Die Spielregeln und informellen Netzwerke der Firma nicht zu beachten. „Es gibt Gegebenheiten in einem Unternehmen, die man beispielsweise als Neuer nicht durchschauen kann“, sagt Dr. Wolfgang Lichius, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung im BDU.

Wer sitzt mit wem in einem Boot?

Um ein bestimmtes Ziel oder eine Idee durchzusetzen, sollte man aber wissen, welche Leute im Zweifelsfall mit einem im Boot sitzen. „Sonst kann es sein, dass man etwa bei den Loosern eingereiht wird – etwa, wenn man sich mit Leuten ‚verbündet‘, die eine unglückliche Rolle im Unternehmen haben. Dann wird man schnell mit ihnen assoziiert.“ Wer dagegen wisse, wer gegenüber welchen Ideen aufgeschlossen ist und wer bei anstehenden Entscheidungen tatsächlich etwas zu sagen hat, komme schneller zum Ziel.

Daher rät Lichius insbesondere Firmenneulingen, die Kollegen zunächst eine Weile zu beobachten: Wer kann mit wem? Wer hat welche Stellung? Wie kann ich sein Interesse erwecken? Bevor Fragen wie diese nicht geklärt sind, sollte keiner vorschnell voranpreschen und den direkten Vorgesetzten mit Ideen, Präsentationen und Entwürfen bombardieren. Kann ja sein, dass gerade dieser zu der innovationsresistenten Gattung im Unternehmen gehört – und dann wäre die ganze Arbeit umsonst.

Who is who?

Die Frage nach dem „who is who im Unternehmen“ lässt sich aber mitunter leichter und schneller beantworten, als mancher Firmen-Newcomer zunächst denkt, beruhigt Lichius. „Wenn man einen Kollegen hat, dem man vertrauen kann, ist es durchaus legitim, ihn zu fragen, wer mit wem kann und wer sich eher aus dem Weg geht“, sagt Lichius. „Sobald man derlei Erfahrungen gesammelt hat, kann man aktiv werden.“

Aktivität – auch in anderer Hinsicht ein gutes Stichwort. Passiv seinen Bürostuhl platt zu drücken und Dienst nach Vorschrift zu schieben, bringt keinen voran – auch das ergab die BDU-Studie: Weiterbildungsresistenz tut dem beruflichen Aufstieg alles andere als gut. „Heutzutage wandeln sich Unternehmenskulturen enorm schnell. Fusionen und Umstrukturierungen sind gang und gäbe“, liefert Annette Bücheleres den Grund. „Ist man dann nicht bereit, ständig zu lernen, kippt man aus dem System raus.“

Quelle: http://inhalt.monster.de/12097_de-de_p1.asp [22.01.2007]

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