Erfogsfaktoren für Unternehmen

30. September 2016

Denken, Management, Strategie

Das 7-S-Modell: Sieben Erfolgsfaktoren für Unternehmen

Was ist ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens? Was macht aus einer durchschnittlichen Firma ein wirklich exzellentes Unternehmen? Das Ergebnis jahrelanger Forschungsarbeit von mehreren sachkundigen Autoren brachte die Antwort auf diese Fragen: Das 7-S-Modell. Führungsexperte Falko Graf beschreibt das Modell und dessen Entstehung.

Die Vorgeschichte
Gegen Ende der 1970er Jahre bekam das Denken des Managements einen neuen Impuls. Dieser Impuls veränderte die bisherige Vorstellung darüber, worauf der Erfolg eines Unternehmens basiert. Bei einer geschäftlichen Besprechung wurde – quasi durch Zufall – das 7-S-Modell geboren.

Bei der Besprechung im Sommer 1978 anwesend waren die Wissenschaftler Richard Pascale, Anthony Athos, Tom Peters und Robert Waterman. Alle vier hatten ein gemeinsames Ziel. Sie wollten herausfinden, was Unternehmen erfolgreich macht, und machten sich auf die Suche. Zwei von Ihnen, Pascale und Athos, beschäftigten sich mit japanischen Firmen und damit, wie die japanische Industrie zu ihrer hohen Produktivität gekommen war – bei hoher Qualität und hoher Mitarbeiterzufriedenheit. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in dem Buch The Art of Japanese Management bereits im Jahre 1981 – inzwischen ein Management-Klassiker. Die anderen beiden, Peters und Waterman, untersuchten renommierte US-amerikanische Firmen, wie Kodak, HP, IBM, Procter & Gamble, 3M und andere. Ihre Intention war herauszufinden, was diese Firmen exzellent macht. Ihr 1982 erschienenes Buch In Search of Excellence beinhaltete sieben Erfolgsfaktoren. Da alle sieben Erfolgsfaktoren im Englischen mit dem Buchstaben S anfangen, wird das Modell daher zumeist 7-S-Modell genannt.

Die Erfolgsfaktoren

Die sieben Erfolgsfaktoren werden unterteilt in harte und weiche Faktoren – letzteres nicht zu verwechseln mit den Soft Skills. Jedes Unternehmen hat alle sieben Faktoren, aber möglicherweise in unterschiedlicher Form. Eine Kernaussage des 7-S-Modells ist: Firmen sind dann erfolgreich, wenn Sie alle Faktoren in angemessener Weise der sich wandelnden Umwelt des Unternehmens  – Gesetzeslage, Vorschriften, Markterfordernisse – immer wieder neu anpassen.

Harte Faktoren
Die harten Faktoren, die den Erfolg von Unternehmen bestimmen, sind Structure, Strategy und Systems. Sie sind rationaler, anschaulicher, messbarer Art. Sie gelten schon seit jeher als ausschlaggebend für den Erfolg von Unternehmen.

1. Structure
Die realisierte Hierarchiestruktur in einem Unternehmen, also die Art und Weise, wie das Miteinanderarbeiten organisiert ist. Beispiel: Eine Firma die bisher eine Fließbandproduktion hatte, möchte nun schneller kreative Ergebnisse erzielen. Daher werden kleine, kollegial-strukturierte Teams, flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege statt steiler, anonymer Hierarchien eingeführt.

2. Strategy
Zielgerichtete Aktivitäten eines Unternehmens nach einem bestimmten Muster. Die richtige Strategie entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Beispiel: Ein kleines, aufstrebendes Unternehmen möchte seinen Bekanntheitsgrad steigern. Investitionen in aufwendige Werbung sind teuer und somit eine schlechte Strategie. Eine gute Werbestrategie wäre es, Aufkleber mit dem Firmenlogo auf allen Firmenfahrzeugen anzubringen.

3. Systems
Regelmäßige Prozesse (Arbeitsabläufe), sowie offizielle und inoffizielle Informationsflüsse, die ein Unternehmen zusammenhalten. Geben Sie regelmäßig offizielle Informationen, die Ihre Mitarbeiter für Ihre Arbeit benötigen, schnell an Ihre Mitarbeiter weiter. Damit erhöhen Sie deren Leistungsfähigkeit und Motivation. Gelegentlich kann es aber sein, dass eine inoffizielle Information nur innerhalb der Führungsebene weitergereicht werden sollte. Beispiel: Eine Firma hat Liquiditätsprobleme. Aus Angst um den Arbeitsplatz könnten die fähigsten Mitarbeiter die Firma verlassen. Daher wird man diese Information möglichst nicht weitergeben, bis die Probleme gelöst sind.

Weiche Faktoren
Die weichen Erfolgsfaktoren – Skills, Staff, Style und Superordinate Goals – sind eher emotionaler, intuitiver, schlecht-messbarer Art.

4. Skills
Die vorherrschenden Merkmale und Fähigkeiten eines Unternehmens. In neuerer Management-Sprache: Kernkompetenzen und USP (unique selling proposition = Alleinstellungsmerkmal = Was einen von der Konkurrenz abhebt). Was zeichnet Ihr Unternehmen aus? Beispiel: Ein bekanntes IT-Unternehmen war früher international führender Hersteller von Büromaschinen, u.a. Schreibmaschinen. Stellen Sie sich vor, das Unternehmen hätte es verschlafen, seine Skills rechtzeitig in Richtung elektronische Textverarbeitungssysteme zu entwickeln…

5. Staff
Das gesamte Personal, alle Mitarbeiter. Die komplette Mannschaft. Jeder ist wichtig. Das Zusammenspiel der Fähigkeiten aller ist das, was ein Unternehmen zum Leben bringt. Im Verlauf der Zeit und mit der Entwicklung des Unternehmens ändern sich jedoch die Anforderungen an die Fähigkeiten der Mitarbeiterschaft. Beispiel: Ein begabter Ingenieur in einer größeren Firma erfindet immer wieder nützliche Produktverbesserungen. Die Firma freut sich und hat jetzt Bedarf an Experten für Patentrecht.

6. Style
Der Führungsstil und die Form des Umgangs miteinander. Jede Führungskraft muss sich darüber klar sein, dass es nicht nur einen Führungsstil gibt. Beispiel: Ein Unternehmen ist wegen einer Rückrufaktion in einer echte Krise. Es geht darum, schnell wichtige Dinge zu entscheiden. Selbstverständlich ist der Führungsstil dann eher diktatorisch als laissez-faire.

7. Superordinate Goals
Auf Deutsch: Übergeordnete Unternehmensziele. Da diese Ziele von möglichst allen Mitarbeitern im Unternehmen geteilt werden sollen, heißt dieses siebte S in manchen Übersetzungen auch Shared Values, gemeinsame Werte. Sie sind nach Peters und Waterman von richtungweisender Bedeutung für die Stabilität der anderen sechs S und können nur sehr langfristig beeinflusst werden.

Alle Faktoren sind wichtig
Das 7-S-Modell ist, wie der Name schon sagt, nur ein komplexitätsreduziertes Abbild der Wirklichkeit. Es erhebt nicht den Anspruch, dass alles genau so ist, wie es das Modell darstellt. Es sagt lediglich aus, dass die in dem Modell dargestellten Erfolgsfaktoren von den Autoren als Hypothesen eingehend untersucht worden sind und dieser Untersuchung Stand gehalten haben. Mehreres ist jedoch, schon aus gesundem Menschenverstand, einleuchtend.
Alle sieben Erfolgsfaktoren sind wichtig.

Verpasst es ein Unternehmen, eines der S zu berücksichtigen, hilft es nichts, wenn die restlichen sechs S vorbildlich sind.

Der Einfluss eines jeden Erfolgsfaktors variiert im Verlauf der Zeit. Mal ist es z.B. wichtiger eine bessere Strategie (Strategy) zu haben als die Konkurrenz, ein anderes Mal benötigt man das besser geschulte Personal (Staff).

Fazit
Das 7-S-Modell brachte vor allem eine revolutionäre Erkenntnis: Es gibt nicht nur harte Erfolfgsfaktoren sondern auch weiche und diese sind mindestens ebenso bedeutend. Ein Unterpunkt von Staff und Style sind die Soft Skills der Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen. Es sind die Soft Skills von Menschen, die in der Interaktion mit anderen Menschen jeden der sieben Erfolgsfaktoren verändern können und auch verändern sollten, damit das Unternehmen mit veränderten Umweltbedingungen zurecht kommt.

Das 7-S-Modell ist somit eine hervorragende Coping-Strategie, also eine praktikable Methode um mit Wandel ganzheitlich zurechtzukommen, ohne etwas zu vergessen.

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