Lass es raus, Kollege!

Aggressionen im Job

Wenn mal wieder alle Kollegen nerven und der neue Chef meint, er könne alles besser, dann nehmen Arbeitnehmer ihre Aggressionen gerne mit nach Hause. Dabei könnten sie sie auch im Büro ausleben – und dabei noch Karriere machen.

Es war doch alles so schön. Eben noch erledigten alle Mitarbeiter routinemäßig ihre Aufgaben, tranken nachmittags entspannt ihren Kaffee und gingen abends zeitig nach Hause. Jeder hatte seine Rolle gefunden und alles war friedlich. Und plötzlich steht dieser neue Chef vor der Tür – und nichts ist wie vorher.

Aggressionen im Job können die Karriere vorantreiben – wenn sie richtig eingesetzt werden.

Denn Aggressionen sind nichts anderes als Energie, mit der man die eigene Karriere vorantreiben kann – sagt Jens Weidner, Professor für Erziehungswissenschaften & Kriminologie an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Autor des Buches Die Peperoni-Strategie – So nutzen Sie Ihr Aggressionspotenzial konstruktiv.

„Natürlich wäre ein Arbeitsalltag ohne Aggressionen ideal: in einem angenehmen Team mit einer geklärten Hierarchie und klar abgestimmten Aufgaben“, sagt er. Aber sobald ein neues Management oder ein neuer Chef kommt und es Umstrukturierungen gibt, „suchen die Mitarbeiter ihre neue Rolle, wollen ihre Karriere vorantreiben und sich positionieren. Es entsteht Unruhe.“

Wenn der Kollege sich mal wieder in den Vordergrund drängt und fremde Verdienste als seine eigenen ausgibt, bringt es jedoch wenig, ihn zu kränken oder anzuschreien. „Das Beherrschen von Aggressionen ist wichtig. Am besten ist es, sie positiv zu nutzen, um seine Ideen durchzusetzen“, sagt Weidner.

Mut zu Hauptsätzen

Damit das gelingt, muss eine Voraussetzung erfüllt sein: „Gerade in unruhigen Phasen ist es wichtig, sein Ziel zu kennen und seine Aggressionen dafür einzusetzen, dieses zu erreichen. Deshalb ist der erste Schritt: ein Ziel festlegen. Think big – kleiner kann es dann immer noch werden. Wer ein Ziel anstrebt, wird zielführend und beinahe automatisch durchsetzungsfähig“, sagt Weidner.

Anstatt sich abends im Fitness-Studio an einem Boxsack abzureagieren, sollten Arbeitnehmer im nächsten Meeting ihre Aggressionen bündeln, um vehement für ihre Sache einzutreten und sich nicht kleinreden zu lassen. „Wer sich durchsetzen will, braucht Mut zu Hauptsätzen à la ‚Ich erwarte, dass wir zielstrebiger vorgehen. Und deswegen will ich …‘ Mit ‚ich würde‘ und ‚ich könnte‘ kommt man nicht weiter. Durchsetzungsfähigkeit und Uneindeutigkeit funktionieren schlecht zusammen“, sagt Weidner. Also alle Wut zusammen nehmen und in eine laute kräftige Stimme fließen lassen.

Dass sie sich mit ihrem neu genutzten Aggressionspotential nicht nur Freunde machen, muss Arbeitnehmern allerdings klar sein. „Wenn sie sich durchsetzen wollen, dann heißt das, sie lehnen sich aus dem Fenster. Das ist immer auch mit Risiko verbunden.“

 

Quelle – http://www.sueddeutsche.de/karriere/aggressionen-im-job-lass-es-raus-kollege-1.1087180

, ,

Subscribe

Subscribe to our e-mail newsletter to receive updates.

Comments are closed.