Management – selten am Schreibtisch, nie allein

Top-Manager arbeiten zwar 65 Stunden pro Woche, sind aber selten in ihrem Büro anzutreffen.

Führungsqualität, Weitsicht und Disziplin, gepaart mit Durchsetzungsfähigkeit, strategischem Denken und Skrupellosigkeit sowie jede Menge soziale Kompetenz und Kreativität: Müsste man auf die Schnelle ein Anforderungsprofil für eine Nachwuchsführungskraft erstellen, würde genau das drinstehen. Während die einen solche Eigenschaften von Natur aus mitbringen, müssen sich andere das Rüstzeug in diversen Executive-Ausbildungen mühsam antrainieren. Doch reicht das, um irgendwann auf Augenhöhe mit Top-Managern wie dem Deutschen Martin Winterkorn zu stehen?

Eine Antwort auf diese Frage versucht Emilio Matthaei zu geben, der im Zuge seiner Doktorarbeit an der Handelshochschule Leipzig untersucht hat, welche Tätigkeiten zum Tagesgeschäft von Top-Führungskräften gehören, wo Konzernvorstände ihren Aufgaben nachgehen und mit wem sie dabei zusammenarbeiten. Ziel der Arbeit war es, ein (neues) Verständnis für die Arbeit von Vorständen – die Firmenlenker in Matthaeis Untersuchung sitzen alle in höchsten Hierarchieebenen internationaler Firmen mit durchschnittlich mehr als 10.000 Mitarbeitern – zu entwickeln und das vorhandene Lehrwissen auszubauen.

Das Ergebnis überrascht nur teilweise: Top-Führungskräfte arbeiten zumeist mehr als 65 Stunden pro Woche – das ist mehr Zeitaufwand, als frühere vergleichbare Studien belegen, schlussfolgert Matthaei. Auch haben Ackermann, Löscher & Co. weit mehr als fünf Termine an einem normalen Arbeitstag und befassen sich an zahlreichen Wochenenden mit Führungstätigkeiten.

Besuche und Reisen

Allerdings verbringen die Vorstände nur etwa 60 Prozent der Arbeitszeit im Unternehmen, der Rest sind Besuche und Dienstreisen. Auch sitzen die Chefs die wenigste Zeit im eigenen Büro und sie arbeiten nur in sehr geringem Maße allein – 64 Prozent der Arbeitszeit geht beispielsweise für Meetings drauf.

Für seine Arbeit hat Matthaei, der heute als Banker bei Goldman Sachs in London arbeitet, jeweils vier Wochen lang den (elektronischen) Kalender des Vorstandes ausgewertet und anschließend die Inhalte mit den Vorstandsmitgliedern bzw. Referenten diskutiert. Matthaei: „Dabei teilten sie mir mit, dass der Druck auf sie sowohl mit steigender Unternehmensgröße als auch mit höherer Managementebene zunehme.“ Aufgrund der Komplexität vieler Aufgaben, der zunehmenden Größe der Unternehmen und der Dynamik der Märkte bleibe immer weniger Zeit für die Entscheidungsfindung durch den Vorstand allein. Die (unausgesprochene) Tatsache, stets erreichbar und im Dienst sein zu müssen, hinterlässt übrigens auch ganz oben in der Hierarchie ihre Spuren: Die Befragten gaben an, heute mehr am Abend, am Wochenende oder im Urlaub zu arbeiten.

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