Menschen können sich verändern

17. März 2010

Psychologie

Beschäftigt man sich mit dem Thema „Persönlichkeit“ und deren Vermessung, kommt schnell die Vorstellung auf, dass man sich selbst nur minimal verändern könne. Schnell zieht man sich bei jeglichem Vorwurf behaglich seufzend zurück, erinnert sein Gegenüber daran, dass schließlich mindestens 50 Prozent der Persönlichkeit genetisch bedingt seien – und von daher eh nichts zu ändern. Fragt man den Wissenschaftler Klaus-Peter Lesch nach dem Thema „Veränderung der eigenen Persönlichkeit“, klingt seine Antwort zwar keinesfalls wie eine faule Ausrede, aber doch einigermaßen ernüchternd.
Für ihn ist „Persönlichkeit“ eine Art elastischer Gummiball, der uns umgibt. „Mit den Händen und Füßen können wir die Wand des Balls um ein gewisses Maß ausbeulen. Je weiter wir sie jedoch dehnen, desto größer wird der Widerstand, gegen den man anzukämpfen hat“, erklärt der Würzburger Persönlichkeitsforscher. Will heißen: Wir können uns verändern –wenn wir dabei nicht gegen unsere genetische Grundausstattung anrennen. Eine schüchterne Frau kann z. B. in Kursen lernen, wie man vor Publikum einen Vortrag hält oder mit einem Mann flirtet – trotzdem wird aus dem „stillen Wasser“ nie eine „Partykönigin“ werden. Genauso wenig wird aus einem Großstadtneurotiker ein Dalai Lama. Studien zum Thema „Big Five“ haben übrigens gezeigt, dass besonders der Faktor „Extraversion“ sehr veränderungsresistent ist. Besser veränderbar ist die „Gewissenhaftigkeit“. Sie wird übrigens mit dem Alter immer ausgeprägter – sowohl bei den Chaoten als auch bei den Pedanten. Die Idee, „ein ganz neuer Mensch zu werden“, ist also angesichts der Persönlichkeitsforschung ein doch etwas zu ehrgeiziges Ziel. Dennoch sollte daraus nicht die Schlussfolgerung „So bin ich eben, basta!“ gezogen werden. Denn: Nur wer glaubt, sich verändern zu können, verändert sich auch. Das fand die Entwicklungspsychologin Carol Dweck von der Stanford-Universität heraus. In Studien untersuchte sie Menschen mit einem „statischen Selbstbild“ – die also glauben, sich nicht verändern zu können – und verglich sie mit denen, die ein „dynamisches Selbstbild“ haben.
Das Ergebnis war immer wieder gleich: Nur Menschen mit einem dynamischen Selbstbild konnten sich verändern, fühlten sich selbstbestimmt und frei. Die anderen kasteiten sich selbst durch ihr fixiertes Selbstbild, sperrten sich ein im Korsett ihrer Persönlichkeit. Eine besonders aufschlussreiche Studie machte Dweck mit schüchternen Studenten. Es zeigte sich, dass die Schüchternen mit einem dynamischen Selbstbild im Kontakt mit anderen zwar anfangs zurückhaltend waren, auf Dauer aber charmant und kommunikativ werden konnten. Schüchterne mit statischem Selbstbild blieben dagegen entsprechend zurückgezogen. Das bedeutet: Je nach Selbstbild können Schüchterne sehr wohl gut in Kontakt mit anderen kommen. Dem „Big Five“-Test zufolge zählen sie zwar zu den „Introvertierten“ – in Stein gemeißelt ist ihr Verhalten aber nicht: Sie haben Chancen und Raum für Entwicklung.

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