Zeitmanagement "Entschleunigung"

Wege aus der Beschleunigungsfalle

Burn-out trifft nicht nur einzelne Menschen, auch ganze Unternehmen können darunter leiden. Manager müssen wissen, wie sie Erschöpfungszustände erkennen, beheben und in Zukunft vermeiden. Nur dann können Mitarbeiter ihre volle Leistung erbringen.

Vom Markt unter Druck gesetzt, halsen Manager ihren Unternehmen häufig mehr auf, als diese vertragen: Immer schneller steigt die Zahl der Projekte, Leistungsvorgaben werden erhöht, Innovationszyklen verkürzt, neue Managementlösungen und Organisationssysteme eingeführt. Eine Zeit lang funktioniert das prima, aber allzu oft möchten Firmenchefs das rasante Tempo zum Normalzustand machen. Was als einmaliger Leistungsschub begann, wird zur chronischen Überlastung.

Mit schlimmen Folgen. Das hohe Tempo demotiviert die Mitarbeiter, und immer neue Aktivitäten verwässern die Ausrichtung des Unternehmens. Zurück bleiben verwirrte Kunden und eine angeschlagene Marke. Wenn die Manager merken, dass etwas nicht stimmt, bekämpfen sie oft nur die Symptome, nicht die Ursache. So interpretieren sie etwa die fehlende Motivation der Beschäftigten als Faulheit oder ungerechtfertigten Protest, erhöhen den Druck und machen alles nur noch schlimmer. Erschöpfung und Resignation durchziehen allmählich das gesamte Unternehmen, und die besten Mitarbeiter wandern nach und nach ab. Wir bezeichnen dieses Phänomen als Beschleunigungsfalle.

Eine zu hohe Drehzahl schadet dem Unternehmen in vielerlei Hinsicht. Unsere Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen, die im roten Bereich arbeiten, unter anderem bei Ergebnis, Effizienz, Mitarbeiterproduktivität und -bindung schlechter abschneiden als ihre Wettbewerber. Das Problem ist weit verbreitet, besonders stark in Unternehmen, in denen unaufhörlich die Kosten gesenkt werden und Manager rund um die Uhr erreichbar sein sollen. Die Hälfte der 92 Unternehmen, die wir 2009 unter die Lupe nahmen, war auf die eine oder andere Art und Weise in die Beschleunigungsfalle getappt. Und die meisten waren sich dessen überhaupt nicht bewusst. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass es einen Ausweg gibt. Unternehmen können langfristig Hochleistung bringen, auch ohne die Mitarbeiter zu überlasten und die Kunden zu verwirren. In diesem Beitrag zeigen wir Führungskräften, wie sie das Beschleunigungsproblem erkennen, ihr Unternehmen davon befreien und die Firmenkultur so verändern, dass dieses Problem künftig kein Thema mehr ist.

Ist Ihr Unternehmen erschöpft?

Um das Phänomen der Beschleunigung zu verstehen, haben wir in den vergangenen neun Jahren mehr als 600 Unternehmen untersucht. Unsere Ergebnisse machen auf ernüchternde Weise deutlich, wie es in Unternehmen aussieht, die im roten Bereich arbeiten (einen Schnelltest finden Sie im Kasten auf Seite 32). Bei Arbeitgebern, die nach unserer Definition vollständig in der Beschleunigungsfalle gefangen waren, sagten 60 Prozent der befragten Mitarbeiter, sie hätten nicht ausreichend Ressourcen für ihre Arbeit. Bei Unternehmen ohne Beschleunigungsproblem äußerten dies nur 2 Prozent. Eine ähnliche Verteilung ergab sich bei den Aussagen „Ich arbeite ständig unter erhöhtem Zeitdruck“ (80 zu 4 Prozent) und „Die Prioritäten meines Unternehmens ändern sich häufig“ (75 zu 1 Prozent). In Sachen Arbeitsbelastung gaben in vollständig gefangenen Unternehmen 83 Prozent der Befragten an, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, in den anderen waren es nur 3 Prozent. Regelmäßige Erholungsphasen vermissten in Problemunternehmen 86 Prozent, in den anderen Firmen nur 6 Prozent der Befragten.

Autoren:  Heike Bruch und Jochen I. Menges

http://wissen.harvardbusinessmanager.de/wissen/leseprobe/69968314/artikel.html

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